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Nach dem Testlauf in Lippstadt demontieren hier Meinolf Reise, Dirk Gerwe und Jan Koch die Fertigungsstraße Draht. Sie wird in die USA verschickt.

Auf Ideal-Anlagen entstehen Gitterböden im Sekundentakt

Der Onlinehandel boomt, in der Pandemie erst recht. Das bedeutet mehr Warenlagerung, mehr Logistikzentren, mehr Hochregallager – und damit mehr Regalgitterböden. Die wiederum werden auf Fertigungsstraßen hergestellt, wie sie der Schweißmaschinenhersteller Ideal baut. Bei den Lippstädtern ist aus einer Sondermaschine nun fast so etwas wie ein Serienmodell geworden.

Quelle: Der Patriot – Lippstädter Zeitung, Axel Schwade, Ausgabe vom 19.10.2021

Lippstadt – Es dauert weniger als eine halbe Sekunde, um einen Gitterstab mit bis zu 61 anderen an Kreuzpunkten miteinander zu verschweißen. Binnen elf Sekunden entsteht so eine ganze Gittermatte. Alles läuft danach im Takt auf der mehr als 40 Meter langen, vom Ideal-Werk entwickelten Fertigungsstraße Draht – das Abwinkeln der Seiten in einer Biegepresse, das mittenzentrierte Ausrichten in einer Wende, das Aufschweißen der stabilisierenden Kanäle (auf denen die Matte später in einem Hochregallager zusätzlich aufliegen wird), am Ende das clevere Aufstapeln.

Die Größe der produzierten Gitter reicht dabei vom 50-Zentimeter-Quadrat über das Europaletten-Maß bis hin zu mehr als zwei Metern Länge, die Durchmesser der Drähte können zwischen vier und sechs Millimetern liegen, ihre Abstände sind variabel – alle Varianten sind ohne lange Rüstzeiten zu konfigurieren. „Die Regalgitterböden aus verzinktem Stahl werden für Hochregallager weltweit nachgefragt, und für die Produzenten ist eine effiziente Fertigung extrem wichtig. Etwa drei Viertel der Produktkosten liegen im Material“, erklärt Gregor Sprink, der bei Ideal die Bereiche der Gitter- und der Koordinatenschweißmaschinen leitet. Eine Besonderheit: Im anfänglich geschilderten Schweißportal der Anlage werden die Drähte an den Kreuzungspunkten im Widerstandsschweißverfahren miteinander verbunden – also über Strom erhitzt und aufeinander gepresst, ohne dass dafür ein zusätzlicher Stoff eingesetzt wird.

Im Jahr 2018 hatte Ideal die erste dieser Anlagen ausgeliefert, damals von einem vierköpfigen Entwickler-Team in rund drei Monaten entworfen. Die dritte Anlage wird nach ihrem Testlauf in Lippstadt gerade in die USA verschickt, die vierte folgt im kommenden Jahr, wobei für die Aufträge jeweils noch Details aktualisiert werden. In Aufbau und Service wird später die US-amerikanische Tochter Ideal Welding Systems eingebunden, schließlich sorgen in den USA riesige Einzel-, Versand- und Onlinehändler mit ihren Volumina für entsprechenden Bedarf.

Auf Anlagen entstehen viele Alltagsprodukte

Die Gitter- und Koordinatenschweißmaschinen sowie Fertigungsstraßen für Drahtprodukte machen etwa die Hälfte des Ideal-Umsatzes aus – und die Produkte, die von Ideal-Firmenkunden darauf gefertigt werden, begegnen einem im Alltag überall: Dazu gehören nämlich nicht nur Regalböden und Gitter-Displays zur Produktpräsentation in Einkaufsmärkten, sondern auch Einkaufswagen, Doppelstabmattenzäune, Ofenroste oder Krankenhaus-Wäscheboxen. Das Ideal-Produktportfolio umfasst zudem Schweißmaschinen für das Verbinden von Litzen, Holz- und Metallbandsägen, zur Herstellung von Blechprodukten (zum Beispiel Felgen) sowie Bandverbindungen. Der Exportanteil der Maschinen liegt bei gut 60 Prozent – die Kunden kommen vor allem aus Europa und Nordamerika. Hier soll der Marktanteil ebenso ausgebaut werden wie in Südamerika. Das Vertreternetz ist in 45 Ländern präsent, große Bedeutung haben auch der mittlere Osten und China.

Der Maschinenbauer erzielt mit 180 Mitarbeitern weltweit einen jährlichen Umsatz im deutlich zweistelligen Millionenbereich. „Die Auftragslage ist gut und auch für das nächste Jahr sieht es vielversprechend aus“, berichtet Katrin Goldhahn, die seit März dieses Jahres die Ideal-Geschäfte führt. „Zu den strategischen Schwerpunkten zählen neben der Internationalisierung auch die Digitalisierung sowie die Nachhaltigkeit unserer Maschinen und Anlagen sowie unseres Unternehmens.“

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Zur Person: Katrin Goldhahn

Die Diplom-Ingenieurin Katrin Goldhahn (42) hat im Frühjahr als Geschäftsführerin beim Schweißmaschinenhersteller Ideal die Nachfolge von Rainer Pumpe angetreten. Zuletzt tätig war Goldhahn als Mitglied der Geschäftsführung bei Teepack, einer Tochter der Teekanne-Gruppe. Für ihre neue Aufgabe in Lippstadt bei Ideal (Inhaber: Max Clemens und Dorotheé Jungeblodt-König) bringt die gebürtige Sauerländerin also Wissen und Erfahrung aus dem Maschinenbau mit, insbesondere aus den Bereichen Vertrieb, Service und Geschäftsfeldentwicklung. Goldhahn ist in die Region gezogen: „Ich freue mich über die Aufgabe hier. Ideal ist ein typisches Familienunternehmen, die Produkte sind zukunftsorientiert und die Mannschaft weiß, was sie tut. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“

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Die Regalgitterböden – hier eine kleine Version – zeigen Katrin Goldhahn und Gregor Sprink. Foto: Schwade

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40 Meter und „um die Ecke“ führt die Fertigungsstraße – hier der hintere Teil mit Wende, Kanalschweißen, Nesting.

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